
KI & nutzerzentriertes Design
Im Juli war ich zu Gast am Institut für Konstruktionstechnik und Technisches Design (IKTD) an der Universität Stuttgart und durfte einen Vortrag über nutzerzentriertes Design halten.
Wie KI nutzerzentriertes Design erweitert – Einblicke aus meinem Vortrag am IKTD Stuttgart
Zuschauende waren Studierende und Mitarbeitende aus Maschinenbau, technischem Design und angrenzenden Disziplinen – also Menschen, die jeden Tag an der Schnittstelle zwischen Funktion, Gestaltung und Nutzererlebnis denken.
Der Vortrag sollte nicht nur zeigen, was KI kann, sondern vor allem: wo sie uns im Denken unterstützt – in der Ideenfindung, in der Perspektivvielfalt und in der Verantwortung, die wir als Gestaltende tragen.
Zwischen Präzision und Empathie
Nutzerzentriertes Design beginnt für mich nicht bei Software oder Prototyping – sondern bei der Haltung.
Im ersten Teil habe ich deshalb bewusst die klassischen Herausforderungen skizziert, die in der Mensch-Produkt-Entwicklung eine Rolle spielen:
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unterschiedliche Nutzungskontexte
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emotionale und funktionale Anforderungen
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das Zusammenspiel von Interface, Material und Umgebung
Gerade in technischen Kontexten, ist es essenziell, nicht nur funktionale Lösungen zu entwickeln, sondern Systeme, die sich in den Alltag der Menschen einfügen – klar, sicher und ohne kognitive Überforderung.
Ein paar Eindrücke aus der Präsentation. Danke an Tim Baechelen für die tollen Fotos!
Was KI hier leisten kann
Generative KI ist in diesem Kontext kein Gestaltungstool im engeren Sinne. Aber sie hilft, Gedanken und Ideen zu strukturieren. Sie unterstützt unter anderem bei:
- der Entwicklung differenzierter Personas
- der Beschreibung realistischer Nutzungsszenarien
- dem Formulieren von Konzepten und Visionen
- dem Visualisieren von Produktideen mit Bild-KI
- der Reflexion von Entscheidungsprozessen (z. B. mit Chain of Thought)
Natürlich ist die KI hier kein Ersatz für echte Zielgruppenbefragungen oder die Marktforschung – sie kann aber gerade zu Beginn dabei unterstützen, Ideen und Konzepte aus der Sicht der Zielgruppe zu betrachten und diese zu optimieren, bevor weitere Schritte gemacht werden.
Ein Beispiel: Die smarte Schutzbrille
Als Praxisbeispiel habe ich eine fiktive Schutzbrille vorgestellt, die sich automatisch an Lichtverhältnisse anpasst, Warnsignale integriert und durch ein situatives Head-up-Display nur die wichtigsten Informationen einblendet.
Mit Hilfe von ChatGPT und speziellen Prompts haben wir sehr detaillierte Zielgruppenbeschreibungen und Personas erstellt. Um sich noch besser in die Zielgruppe hineinzuversetzen, können wir uns diese Personas mit KI visualisieren. Zudem gibt es Prompttechniken, die es erlauben, sehr realistische Szenarien für Ideenentwicklung und Feedback zu simulieren,
Das Besondere: Die Brille verändert sich – nicht das Verhalten der Nutzer:innen.
In einem Vergleich mit dem Flugzeug-Cockpit habe ich gezeigt, wie sich Prinzipien wie Informationsreduktion durch Priorisierung auf Interface-Design übertragen lassen.
Dazu kamen Inspirationen aus der Natur:
Das Bild mit dem Chamäleon, das sich farblich seiner Umgebung anpasst, war nicht nur ein visuelles Highlight – sondern ein Denkimpuls für Materialien und adaptive Gestaltung.
Hier für die Präsentation die Visualisierung der Brille mit Chamäleon. Diese Kombination wurde mit ChatGPT und der Assoziationstechnik entwickelt und zu einer Idee verwandelt.
Kreativtechniken mit KI: von der Analogie zur Innovation
Im letzten Teil habe ich demonstriert, wie sich klassische Kreativtechniken – etwa Analogiebildung oder Assoziationen – mit KI systematisch erweitern lassen. Beispiel: Was passiert, wenn wir das Prinzip einer Thermoskanne oder eines Tarnnetzes auf eine Schutzbrille übertragen?
Hier wurde mit Hilfe der Analogietechnik von ChatGPT das Flugzeugcockpit zur Inspiration genommen, um die Brille weiterzuentwickeln.
Das Ziel ist hier, nicht gleich fertige Konzepte zu liefern, sondern Denkwerkzeuge zu öffnen, mit denen nutzerzentrierte Gestaltung zu einer interdisziplinären, zukunftsorientierten Praxis wird.
Fazit: KI braucht Kontext
Mein Fazit – und auch das vieler Teilnehmender:
KI kann Designprozesse präziser, schneller und vielseitiger machen. Aber nur, wenn wir sie in den richtigen Kontext stellen. Nicht als Lösung, sondern als Partner in der Fragestellung. Nicht als Ersatz für kreative Entscheidungen, sondern als Impulsgeber für Gestaltung mit Verantwortung.
Ich danke dem Team des IKTD und besonders Herrn Prof. Dr.-Ing. Thomas Maier für die Einladung und die spannenden Gespräche im Anschluss.
Und allen, die Lust haben, KI im eigenen Designprozess klug und reflektiert einzusetzen, empfehle ich:
Nicht mit dem Tool beginnen. Sondern mit einer guten Frage.

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